Frau M. ist 71 Jahre alt und lebt seit 8 Jahren mit Parkinson. Kürzlich hat sie aufgehört, selbst zu kochen. Nicht weil sie es nicht mehr möchte, sondern weil die Schritte in der Küche unsicher geworden sind, der Topfgriff manchmal nicht mehr sitzt und ihr Mann Sorge hat, wenn sie am Herd steht.

Die naheliegende Lösung wäre jetzt mehr Betreuung. Doch bei Parkinson ist gerade das oft problematisch: Werden alltägliche Tätigkeiten zu früh abgenommen, gehen wichtige Bewegungsabläufe, Routinen und das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit verloren. Weniger Aktivität führt zu mehr Einschränkungen, ein Kreislauf, der sich mit der Zeit verstärken kann.

Deshalb gilt: Aktivierung vor Versorgung. Genau da setzt Ergotherapie an, und die S2k-Leitlinie sagt sehr genau, wie.

Nicht Bauchgefühl. Leitlinie.

Bei SELMA Zuhause orientiert sich jede Behandlung an dem, was aktuelle Forschung und klinische Leitlinien sagen. Für Parkinson ist das die S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), zuletzt überarbeitet im November 2023, gültig bis 2028.

Sie ist kein internes Dokument für Neurologen. Sie richtet sich ausdrücklich auch an Therapeuten, Pflegekräfte und Sozialarbeiter. Sie ist die gemeinsame fachliche Grundlage.

S2k Empfehlungen basieren auf einem formalen Konsensverfahren unter Beteiligung von Fachgesellschaften, Patientenvertretern und Therapeuten.

Quelle: Höglinger G., Trenkwalder C. et al., Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie 2023, DGN. AWMF-Registernummer 030-010.

Was die Leitlinie zur Ergotherapie sagt

Die Leitlinie formuliert es klar: Ergotherapie sollte Menschen mit Parkinson-Krankheit verordnet werden. Nicht als nettes Zusatzangebot. Als Teil einer strukturierten, multimodalen Versorgung.

Die sogenannten aktivierenden Verfahren, zu denen Ergotherapie gehört, verbessern nachweislich motorische Symptome, Mobilität, Gleichgewicht und Gang. Sie helfen dabei, Alltagsfunktionen zu erhalten und muskuloskelettalen Sekundärproblemen vorzubeugen.

Multimodal bedeutet: Parkinson wird nicht mit einer einzigen Methode behandelt, sondern durch das koordinierte Zusammenspiel von Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychosozialer Unterstützung. Jeder Bereich trägt etwas bei, das die anderen nicht leisten können.

Was das im Alltag bedeutet: Fünf Handlungsfelder

Die Leitlinie benennt konkrete Bereiche, in denen ergotherapeutische Interventionen wirksam sind. Hier sind sie übersetzt in das, was Betroffene und Angehörige im Alltag erleben:

1. Sturzprävention zu Hause

Stürze sind eine der häufigsten und folgenreichsten Komplikationen bei Parkinson. Die Leitlinie nennt Gangschulung, Gleichgewichtstraining und die Anpassung der häuslichen Umgebung als zentrale Interventionen.

Was das konkret heißt: Ein Therapeut geht mit durch die Wohnung. Er oder sie sieht die Türschwellen, die Teppichkanten, den engen Flur zur Toilette, die Dusche ohne Haltegriff. Diese realen Risikofaktoren lassen sich in einer Praxis nicht beurteilen und nicht beheben.

2. Alltagsmotorik

Freezing (Bewegungsblockaden), Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifigkeit) und Bradykinese (verlangsamte Bewegungen) erschweren viele Alltagshandlungen: Knöpfe schließen, Essen zubereiten, zur Tür gehen.

Ergotherapie setzt gezielt an diesen Aufgaben an. Auf der einen Seite mit aufgabenorientierten Bewegungsprogrammen, also Übungen, die konkrete Alltagshandlungen trainieren. Auf der anderen Seite mit kompensatorischen Techniken, also anderen Wegen, dieselbe Aufgabe zu lösen, und mit passenden Hilfsmitteln.

3. Freezing of Gait

Bei Freezing of Gait (FOG), also den plötzlichen Gangblockaden, empfiehlt die Leitlinie sogenannte Cueing-Strategien: gezielte akustische, visuelle oder taktile Reize, die den Gang wieder in Fluss bringen. Ein Metronom, eine Laserlinie auf dem Boden oder ein rhythmisches Vibrationssignal am Handgelenk können Blockaden reduzieren oder kontrolliert lösen. Diese Techniken lassen sich im häuslichen Alltag einüben und so verankern, dass Betroffene und Angehörige sicher damit umgehen.

4. Kognition und Alltagsmanagement

Parkinson betrifft nicht nur die Motorik. Kognitive Veränderungen (verlangsamtes Denken, Konzentrationsprobleme), Fatigue (krankheitsbedingte Erschöpfung) und Stimmungsschwankungen beeinflussen, wie jemand seinen Tag strukturiert, Aufgaben plant und mit Anforderungen umgeht.

Ergotherapie adressiert auch diese nicht-motorischen Dimensionen. Konkret: Tagesstrukturierung, Energiemanagement, Aufgaben in machbare Schritte aufteilen, digitale Erinnerungshilfen einrichten.

5. Hilfsmittelversorgung und Versorgungsplanung

Die Leitlinie betont die Bedeutung individuell angepasster Hilfsmittelversorgung und vorausschauender Versorgungsplanung. Das heißt: nicht erst reagieren, wenn etwas nicht mehr geht, sondern Veränderungen antizipieren und Lösungen bereitstellen, bevor eine Krise entsteht.

SELMA Zuhause prüft vor Ort, welche Anpassungen sinnvoll und realisierbar sind, und begleitet den Prozess bis zur Umsetzung.

Hausbesuche sind kein Komfort. Sie sind klinisch sinnvoll.

Die Leitlinie hebt ausdrücklich hervor, dass die Versorgung von Menschen mit Parkinson-Krankheit kontextsensitiv und alltagsnah sein soll. Therapieziele müssen im realen Lebensumfeld erprobt und verankert werden.

Zurück zu Frau M.: Was sie braucht, kann nicht in einer Praxis stattfinden. Das Kochen in ihrer Küche, mit ihrem Herd, mit den Töpfen, die sie kennt, muss dort geübt werden, wo es tatsächlich stattfindet. Die Wege zur Toilette nachts, der Transfer aus ihrem Bett, die Handgriffe an ihrer Badewanne.

Das ist der Grund für das Hausbesuchsmodell von SELMA Zuhause: nicht Bequemlichkeit, sondern klinische Konsequenz.

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