Frau M. ist 71 Jahre alt und lebt seit vier Jahren mit Parkinson. Vor drei Monaten hat sie aufgehört, selbst zu kochen. Nicht weil sie es nicht mehr möchte. Sondern weil die Schritte in der Küche unsicher geworden sind, der Topfgriff manchmal nicht mehr sitzt und ihr Mann Angst bekommt, wenn sie am Herd steht.
Was Frau M. fehlt, ist keine Betreuung. Sie braucht gezielte Therapie. Und die S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit sagt sehr genau, was das heißt.
Bei SELMA Zuhause orientiert sich jede Behandlung an dem, was aktuelle Forschung und klinische Leitlinien sagen. Für Parkinson ist das die S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), zuletzt überarbeitet im November 2023, gültig bis 2028.
Sie ist kein internes Dokument für Neurologen. Sie richtet sich ausdrücklich auch an Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte und Sozialarbeiter. Sie ist die gemeinsame fachliche Grundlage.
S2k bedeutet: Die Empfehlungen basieren auf einem formalen Konsensverfahren unter Beteiligung von Fachgesellschaften, Patientenvertretern und Therapeuten. Es ist die höchste Leitlinienstufe ohne vollständige Metaanalyse.
Quelle: Höglinger G., Trenkwalder C. et al., Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie 2023, DGN. AWMF-Registernummer 030-010.
Die Leitlinie formuliert es klar: Ergotherapie sollte Menschen mit Parkinson-Krankheit verordnet werden. Nicht als nettes Zusatzangebot. Als Teil einer strukturierten, multimodalen Versorgung.
Die sogenannten aktivierenden Verfahren, zu denen Ergotherapie gehört, verbessern nachweislich motorische Symptome, Mobilität, Gleichgewicht und Gang. Sie helfen dabei, Alltagsfunktionen zu erhalten und muskuloskelettalen Sekundärproblemen vorzubeugen.
Multimodal bedeutet: Parkinson wird nicht mit einer einzigen Methode behandelt, sondern durch das koordinierte Zusammenspiel von Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychosozialer Unterstützung. Jeder Bereich trägt etwas bei, das die anderen nicht leisten können.
Die Leitlinie benennt konkrete Bereiche, in denen ergotherapeutische Interventionen wirksam sind. Hier sind sie übersetzt in das, was Betroffene und Angehörige im Alltag erleben:
Stürze sind eine der häufigsten und folgenreichsten Komplikationen bei Parkinson. Die Leitlinie nennt Gangschulung, Gleichgewichtstraining und die Anpassung der häuslichen Umgebung als zentrale Interventionen.
Was das konkret heißt: Ein Therapeut geht mit durch die Wohnung. Er sieht die Türschwellen, die Teppichkanten, den engen Flur zur Toilette, die Dusche ohne Haltegriff. Diese realen Risikofaktoren lassen sich in einer Praxis nicht beurteilen und nicht beheben.
Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifigkeit) und Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen) erschweren viele Alltagshandlungen: Knöpfe schließen, Essen zubereiten, das Telefon bedienen.
Ergotherapie setzt gezielt an diesen Aufgaben an. Nicht nur mit Übungen, sondern mit kompensierten Techniken (andere Wege, dieselbe Aufgabe zu lösen), Hilfsmitteln und aufgabenorientiertem Training, das direkt auf das abzielt, was für die betroffene Person wichtig ist.
Freezing of Gait (FOG) ist das plötzliche Einfrieren beim Gehen. Die Füße bleiben wie festgeklebt, obwohl der Wunsch zu gehen vorhanden ist. Es tritt besonders häufig an Türrahmen, beim Drehen oder unter Zeitdruck auf.
Die Leitlinie empfiehlt cueing-basierte Strategien: akustische, visuelle oder taktile Reize, die den Gang wieder in Fluss bringen. Ein Metronom, eine Laserlinie auf dem Boden, ein rhythmischer Befehl können den nächsten Schritt auslösen. Diese Techniken lassen sich im häuslichen Alltag einüben und so verankern, dass Betroffene und Angehörige sicher damit umgehen können.
Parkinson betrifft nicht nur die Motorik. Kognitive Veränderungen (verlangsamtes Denken, Konzentrationsprobleme), Fatigue (krankheitsbedingte Erschöpfung) und Stimmungsschwankungen beeinflussen, wie jemand seinen Tag strukturiert, Aufgaben plant und mit Anforderungen umgeht.
Ergotherapie adressiert auch diese nicht-motorischen Dimensionen. Konkret: Tagesstrukturierung, Energiemanagement, Aufgaben in machbare Schritte aufteilen, digitale Erinnerungshilfen einrichten.
Die Leitlinie betont die Bedeutung individuell angepasster Hilfsmittelversorgung und vorausschauender Versorgungsplanung. Das heißt: nicht erst reagieren, wenn etwas nicht mehr geht, sondern Veränderungen antizipieren und Lösungen bereitstellen, bevor eine Krise entsteht.
SELMA Zuhause prüft vor Ort, welche Anpassungen sinnvoll und realisierbar sind, und begleitet den Prozess bis zur Umsetzung.
Die Leitlinie hebt ausdrücklich hervor, dass die Versorgung von Menschen mit Parkinson-Krankheit kontextsensitiv und alltagsnah sein soll. Therapieziele müssen im realen Lebensumfeld erprobt und verankert werden.
Zurück zu Frau M.: Was sie braucht, kann nicht in einer Praxis stattfinden. Das Kochen in ihrer Küche, mit ihrem Herd, mit den Töpfen, die sie kennt, muss dort geübt werden, wo es tatsächlich stattfindet. Die Wege zur Toilette nachts, der Transfer aus ihrem Bett, die Handgriffe an ihrer Badewanne.
Das ist der Grund für das Hausbesuchsmodell von SELMA Zuhause: nicht Bequemlichkeit, sondern klinische Konsequenz.
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